Voll verzuckert und dick durch weniger Kalorien

Das Thema Zucker beschäftigt mich schon seit Jahren. Immer wieder bemerke ich die negativen Auswirkungen und frage mich trotzdem immer wieder, ob ich mir diese nur einbilde oder sie wirklich so gravierend sind. Dummerweise falle ich trotz der Auswirkungen gerne immer wieder darauf rein. Die Abstände werden zwar immer größer aber so gut ich Weizen, tierischen Produkten und anderen Säurebildner in meinem Speiseplan ersetzt habe, umso schwieriger fällt es mir bei dem Thema Zucker. Jeder hat eben sein eigenes Laster.  Nun habe ich den Film „Voll verzuckert“ gesehen und auch wenn ich sehr gut über dieses Thema informiert bin, hat er mir wieder neue Impulse gegeben und mir den Rücken gestärkt.

Der Film zeigt einen Selbstversuch, in dem 60 Tage lang Produkte mit insgesamt 40 Teelöffel Zucker gegessen werden. Unrealistisch?

Es wird die Zuckermenge gegessen, die ein Australier durchschnittlich aus Supermarktprodukten zu sich nimmt – 40 Teelöffel. Und damit ist nicht die Zuckermenge aus Eiscreme oder anderen offensichtlich zuckerhaltigen Produkten gemeint, sondern der zugesetzte Zucker in vermeintlich gesunden Produkten wie Müsli und Joghurt. Bei einem heutzutage gesunden Frühstück aus u.a. Cornflakes und Saft können schon beim Frühstück schnell 20 Teelöffel zusammenkommen.

Zwischen Euphorie und Antriebslosigkeit

Die Veränderungen durch den Zuckerkonsum des Darstellers sind nicht nur körperlich, was mich in meiner Erfahrung bestätigt, dass Zucker einen erheblich negativen Einfluss auf unsere Stimmung haben kann.

Die Versuchsperson zeigte schon nach 12 Tagen 3,5 Kilogramm mehr auf der Waage und das nur durch „gesunde“ Produkte mit versteckten Zuckern. Daneben war ein gravierender Einfluss auf die Laune festzustellen. Stimmungsschwankungen machten sich breit und auf eine gute Laune folgte Lustlosigkeit und Antriebslosigkeit, bis zuckerhaltige Produkte die Stimmung wieder nach oben puschten. Zwischen Euphorie und Stimmungstief.  Ganz klar wird in diesem Film der Zusammenhang von Zucker auf psychische Störungen auch ausgesprochen und darauf hingewiesen, dass hier durchaus ein Zusammenhang bestehen kann.

Interessant fand ich den Hinweis, dass früher 10 % der Produkte im Supermarkt zugesetzten Zucker enthielt, jetzt ganze 90%. Würde man die zuckerhaltigen Produkte entfernen, wären die Regale quasi leer. Früher war die natürliche Ernährung vorrangig und industrielle Produkte Ausnahmen, heute ist es umgekehrt.

Der Film macht auch ganz klar deutlich, dass es nicht um den Fruchtzucker in Obst geht, sondern den raffinierten Zucker und die zugesetzte isolierte Fructose in den Produkten. In Obst wird uns Zucker zusammen mit Ballaststoffen und Mineralien geliefert, ein richtiges (Kraft)Paket. Die Ballaststoffe sind sättigend und unser Körper wird mit Nährstoffen versorgt. Unser natürliches Sättigungsgefühl setzt ein. Bei isolierter Fructose, künstlichen Snacks werden wir dazu verleitet, schnell neue Snacks zu uns zu nehmen und das Verlangen nach mehr hält uns immer auf Trab, wie einen Junkie auf Drogen.  Die schnelle Energie tut uns kurz gut und setzt Endorphine frei. Es werden die gleichen Belohnungszentren wie zum Beispiel bei Nikotin bedient. Leider aber nur ein kurzer „Rausch“. Es kann zu einer Art Zwang führen und der Drang zur Sucht werden.

In dem Film wird auch nochmal über die Tricks der Zuckerindustrie berichtet, wie unsere genetischen Veranlagungen nach dem süßen Geschmack ausgenutzt werden und es gibt viele Hintergrundinfos über Herkunft, Produktion, Wirkung von Zucker und andere interessante Dinge.    

Auch wird nochmal verdeutlicht, dass uns der Verzehr ungesunder Snacks zwischendurch von klein auf antrainiert wird. In der Werbung gibt es um halb zehn das „gesunde“ Frühstückchen oder die „extra Portion Milch“ (Milchzucker) in Schulpausen.   In meiner Generation waren das wohl die „gesunden“ Fruchtzwerge.  Aber bei uns gab es damals Süßes nur als Ausnahmen und nicht als reguläre Zwischenmahlzeit. Kein Wunder, dass Mütter zu Hause gegen Windmühlen kämpfen, wenn Kindern diese zuckerhaltigen Produkte durch Werbung und in der Schule als Normalität vermittelt werden.

Dick durch weniger Kalorien – Kalorien sind nicht gleich Kalorien

Am besten fand ich, dass bei dem Experiment herauskam, was ich an mir selbst festgestellt habe. Dieselbe Menge an Kalorien in einer anderen Zusammensetzung kann zu Gewichtsverlust und einer festeren Körperstruktur führen. Der Zuckerkonsument in dem Video hat vorher drei Jahre zuckerfrei gelebt und ca. 2300 Kalorien am Tag zu sich genommen. Während des Experiments hat sich die Kalorienmenge nicht erhöht, teilweise sogar verringert. Verändert hat sich also nur die Herkunft der Kalorien. Anstatt Zucker aus Obst und Gemüse, gesunden Fetten und Ölen, Fleisch, Fett und Avocados setzten sich die Kalorien 60 Tage aus zuckerhaltigen Nahrungsmitteln zusammen und der Darsteller nahm trotz gleicher oder geringerer Kalorienmenge fünf Kilo zu. Seine Stimmung veränderte sich negativ und auch seine sportliche Leistung nahm ab. Weniger Kalorien aber dafür eine Fettleber, mehr Hunger und Trägheit. Toller Tausch!

Somit: Die Kalorienherkunft ist entscheidend und die Zusammensetzung zählt! 2000 Kalorien aus unterschiedlichen Nahrungsmitteln wirken auch unterschiedlich.   

Völlig legal auf Droge

Natürlich geht es letztendlich um ein Übermaß an Zucker und kein Nahrungsmittel ist im Übermaß gesund. Aber durch das Angebot heutzutage merken wir gar nicht mehr, dass wir durch Müsliriegel und Snacks das Übermaß sehr schnell erreicht haben, ohne dass es uns bewusst ist. Niemand isst freiwillig 20 Zuckerwürfel und trotzdem nehmen viele von uns diese letztendlich unbewusst zu sich und fragen sich, warum sie ständig müde und abgeschlagen sind, obwohl sie sich gesund ernähren. Das Fatale daran, unser Körper gewöhnt sich schnell an den hohen Zuckerkonsum und wir funktionieren in dem Teufelskreislauf. Es wird als gegeben akzeptiert und wir denken, dies ist der Normalzustand.

Unser Geist ist benebelt und unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten angepasst und schleichend verändert. Heutzutage gehören zuckerhaltige Getränke bei jeder Party dazu. Zucker ist legitim und nur die wenigsten wollen und können noch darauf verzichten.    

Kalter Entzug

Aber wie kommen wir nun aus dieser Zuckerfalle wieder raus? Und was passiert nach einem Verzicht auf zugesetzten Zucker?

Der Darsteller verzichtet nach dem Experiment wieder ganz auf industriellen Zucker und zeigt in der ersten Woche des Entzugs sowohl Kopfschmerzen, Gereiztheit als auch Schlafschwierigkeiten. Ebenfalls hat er mit Heißhunger auf Zucker zu kämpfen. Nach zwei bis vier Wochen ist sein Verlangen nach Zucker aber endlich verschwunden und nach zwei Monaten auch seine Lebensfreude zurück. Seine Laune ist wieder besser und der Kopf wieder klar.

Reversible Schäden

Sehr faszinierend ist die Tatsache, dass die durch den Zuckerkonsum entstandene Fettleber des Darstellers wieder verschwand und sich der Körper wieder erholte.  

Es dauert also, bis wir uns wieder an ungesüßte Gerichte gewöhnen und jeder muss für sich selbst rausfinden, ob er seinen Zuckerkonsum reglementieren kann und will oder ein konsequenter Verzicht sinnvoller für ihn ist.  Warum ganz verzichten? Das Leben ist doch so viel besser, wenn man nicht ständig auf der Jagd ist!

Fazit: Im Supermarkt auf die Obst- und Gemüseabteilung zusteuern, alles was dazwischen ist übergehen. Statt Zucker gesunde Fette und Öle wählen und nicht auf „gesunden“ Fruchtzucker in Produkten reinfallen. Nicht natürlicher Fruchtzucker, sondern raffinierter Zucker und extra Fruchtzucker in isolierter Form verschlechtern unsere Gesundheit.

Hier gibt es Tipps und dazu eine online Anleitung, wie du langfristig dein Leben zuckerfrei und basischer gestalten kannst. Raus aus dem Hamsterrad und frei von dem ständigen Verlangen nach mehr!

Nicht vergessen: Vergeude deine Zeit nicht mit Kalorien zählen! 

Lohnt sich der Film?

Wenn man sich vorher schon mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat, ist dieser Film vielleicht nichts Neues und auch die Ergebnisse nicht überraschend. Ich finde er bestätigt, was der ein oder andere vielleicht selbst an seinem eigenen Körper erfahren hat, aber nicht glauben konnte. Wie kann es sein, dass Zucker so einen gravierenden Einfluss auf Körper und Psyche haben kann, aber es einem keiner sagt und dazu noch in fast allen Nahrungsmitteln steckt.

Viele denken, sie würden sich gesund ernähren, kommen aber ungewollt in einen Teufelskreis, der sie öfter als nötig essen lässt und in das Verlangen nach mehr hineinzieht.  Zucker ist heutzutage in Nahrungsmitteln enthalten, die nicht mit zugesetzten Zuckern in Verbindung gebracht werden (Lachs, Gemüse im Glas). Wenn man bedenkt, dass sich der Darsteller zwei Monate lang genau von diesen vermeintlich gesunden (aber industriell verarbeiteten) Lebensmitteln ernährt (und nicht von eindeutigen Zuckerbomben wie Süßigkeiten und Croissants), so macht das sehr nachdenklich.

Der Film ist keine 37 Grad Doku, aber für Leute, die sich um das Thema Zucker noch nie große Gedanken gemacht haben, ist er informativ und sensibilisiert, vermehrt bewusst einzukaufen.  

Es gibt noch einen ähnlichen Film, Fed Up – Du bist, was du isst, den ich mir als nächstes anschauen werde.

Bei den Büchern handelt es sich um Partnerlinks und du verlässt diese Seite.

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